Kirchen und Kapellen

Krankenhauskapelle St. Elisabeth

MariannenHospital in Werl

Ein Raum für die seelische Genesung

Wer das 1902–03 erbaute Mariannen–Hospital in Werl in genügendem Abstand betrachtet, erkennt anschaulich die beiden Seiten der Heilung in einem katholischen Krankenhaus: Rechts die zeitgemäßen Anbauten, Zufahrten, technischen Einrichtungen eines modernen medizinischen Betriebs, links der in den Himmel strebende Dachreiter und die nach oben weisenden Fenster der Hauskapelle, Raum und Zeichen der seelischen Genesung.
Trägerin des Hauses ist die Maria–Anna–Heese’sche Stiftung.

Beschreibung

Die Kapelle St. Elisabeth ist Teil des dreigeschossigen Hospitals, nimmt die oberen beiden Geschosse ein und springt im Grundriss nach Osten deutlich vor. So gelingt eine klare Einbindung in den Gesamtbau und ein hohes Maß an Eigenwertigkeit. Roter Backstein und dunkle Dächer verbinden die Kapelle mit dem Haus. Die Staffelung der Dächer, die Strebepfeiler in den Wänden, neugotisches Maßwerk und der Dachreiter machen die Kapelle zum gestalterischen Höhepunkt.
Schon außen erkennt man zwei Abschnitte, den rechteckigen Gemeinderaum mit breiten Maßwerkfenstern und den schmaleren, im Grundriss vieleckigen Altarraum. Wer in die seitliche Gasse tritt, sieht einen dritten Abschnitt, die angebaute Sakristei (1960/61 vergrößert). Innen sind die beiden Teilräume durch einen spitzen Altarbogen verbunden. Zwei querrechteckige Rippenwölbungen überspannen den Gemeinderaum und ruhen auf neugotischen Laubwerk–Kapitellen. Im Altarraum findet sich ein sternförmiges Gewölbe auf ähnlichen Kapitellen. Diese Zone ist um eine, teilweise um zwei Stufen erhöht. Im Gemeinderaum ist der ursprüngliche Belag aus diagonal verlegten Bodenfliesen erhalten. Die vom zweiten Obergeschoss des Hospitals zugängliche Empore wurde 1950/51 unter Wegfall zweier Stützen treppenförmig abgesenkt.

Liturgie und Raum

St. Elisabeth folgt der bauzeitlich üblichen Unterscheidung in Altarraum und Gemeinderaum. Durch den geringen räumlichen Umfang beider Teilräume und die erhebliche Höhe verschmelzen beide Abschnitte miteinander, so dass die Altarzone überzeugend zum Haupt und zum Ziel des Gemeinderaums wird. Vor diesem Hintergrund stehen die liturgischen Orte Altar und Ambo nach der Neugestaltung des Jahres 1968 überzeugend richtig im Bereich unter dem Bogen und damit an der Nahtstelle zwischen beiden Teilräumen. Ursprünglich befand sich der Altar zurückverlegt im Scheitel des Altarraums.

Ausstattung

Von der früheren Ausstattung sind die Ornamentverglasung der Seitenfenster und die geschnitzten neugotischen Wangen der Kirchenbänke überliefert.
Nicht erhalten ist die aufwendige Ausmalung. 1948/49 entstanden im Altarraum Glasbilder von Egbert Lammers, Werl (Ausführung: Josef Menke, Goch). Nach Entfernung des Maßwerks gestaltete Lammers eine strenge, farblich zurückhaltende Komposition aus übereinander folgenden Bildern, in der Mitte (von unten) hl. Michael im Drachenkampf, die apokalyptische Frau, Engel, hl. Maria mit Kind, Christus am Kreuz. Seitlich finden sich je drei Medaillons zwischen wachenden Engeln, darin von unten (links) Verleugnung durch Petrus, die Büßerin wäscht Jesus die Füße, Jesus als guter Hirte, (rechts) hl. Vinzenz von Paul, hl. Elisabeth, hl. Stephanus.

Die liturgische Ausstattung entstand 1968 neu nach Entwurf von Josef Baron, Unna–Hemmerde: Altar und Ambo aus Holz, Standleuchter und hängendes Kreuz aus Bronze. Die beiden Holzfiguren seitlich des Altarraums fertigte Bildhauer Joseph Wäscher in sachlich–traditioneller Sprache, links hl. Familie (1958), rechts hl. Maria mit Kind (1950). Die Kreuzwegstationen stammen aus Oberammergau (ca. 1956/57). Im Treppenhaus vor der Kapelle sind eine großformatige Holzskulptur Christus am Kreuz und die Verglasung mit Symbolbildern von Egbert Lammers (1955, 1959) bemerkenswert.

Von der Idee zum Bau 

Das 1854 verfasste Testament der kinderlos verstorbenen Maria Anna Wilhelmine Heese bestimmte und finanzierte die Errichtung eines Hospitals in Werl, das 1864 in ihrem Wohnhaus in der Kämperstraße entstand. Die Pflege der Kranken wurde Schwestern des hl. Vinzenz von Paul anvertraut. Ein Erweiterungsbau mit Kapelle von 1881 reichte nicht aus, so dass 1902–03 der Neubau des Mariannen–Hospitals durch Architekt Sunder–Plaßmann an der Unnaer Straße entstand. Das Hospital wurde seither mehrfach erweitert, die Kapelle 1950/51 und 2005 restauriert.

Der Architekt Wilhelm Sunder-Plaßmann

Wilhelm Sunder–Plaßmann (1866–1950), Architekt in Soest und Münster, ausgebildet an der Baugewerkschule in Höxter sowie an den Hochschulen in Berlin–Charlottenburg und in Karlsruhe, ab 1925 Dombaumeister in Münster, war Spezialist auf dem Feld des Kirchenbaus und errichtete in Westfalen und im Emsland über vierzig Kirchenbauten nach eigenen Entwürfen. In Werl entstanden nach seiner Planung zusätzlich die Kapelle Muttergottes in der Not (1900) und die neue Wallfahrtskirche (Basilika, 1903–06).

Literatur

Rohrer, Amalie: Die großen Stiftungen des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Werl, Geschichte einer westfälischen Stadt, Bd. 2. Paderborn 1994, S. 1039–1056.

Text und Fotos: Dr. Heinrich Otten